Klar, machen wir doch alles gleichzeitig!
Warum Veränderung nie in einer Pause passiert… und wer dafür eigentlich die Kapazität finden muss!
Die neue Organisation, das neue CRM oder die neue Produktlinie. Alles soll stehen, am liebsten gestern. Gleichzeitig läuft das Tagesgeschäft normal weiter. Eine strategische Priorität kommt noch on-top, und die Personen, die das alles tragen sollen, sind dieselben, die schon jetzt am Anschlag sind. Vielleicht kommt dir das auch bekannt vor?
Letztes Jahr hatten wir einen ähnlichen Fall bei Art Basel.
Dort liefen zeitgleich vier Messen weiter – Basel, Miami Beach, Hongkong und Paris. Und während man versuchte, die Organisation dahinter neu zu strukturieren, wurde parallel an einer fünften Messe gebaut.
Nicht, weil jemand schlecht geplant hätte! Die Umstände sorgten einfach für viel Komplexität, de facto musste alles gleichzeitig geschehen.
Das ist längst nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Veränderung passiert heute im laufenden Betrieb. Eine Messe eröffnet an einem fixen Datum, der Jahresabschluss kommt, Kunden und Teams warten nicht, bis eine neue Struktur steht.
Und genau darin liegt das Problem: Die Veränderung wird meist von denselben Personen getragen und vorangetrieben, die gleichzeitig auch das Tagesgeschäft verantworten. Sie haben das Wissen, die Verantwortung – und selten freie Kapazität.
Dabei braucht Veränderung nicht nur Zeit, sondern Aufmerksamkeit: vorausdenken, Zusammenhänge erkennen und Entscheidungen vorbereiten.
Nicht die fehlende Zeit ist das Problem. Es ist die fehlende Aufmerksamkeit, die sich nicht beliebig teilen lässt.
Veränderung braucht explizit reservierte Aufmerksamkeit, nicht nur Termine im Kalender, die kurzfristig nicht wahrgenommen werden. Schlüsselpersonen dürfen nicht gleichzeitig alle operativen und Veränderungsentscheidungen tragen. Jemand muss das Vorhaben permanent zusammenhalten, Entscheidungen vorbereiten und den Takt sichern.
Genau hier braucht es zusätzliche Umsetzungskraft. Ob aus einer anderen Einheit oder von aussen ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass jemand hands-on einsteigt: den Takt hält, Roadmaps baut, direkt mit den operativen Teams arbeitet und Entscheidungen vorbereitet. Bei Art Basel war genau das der Unterschied. Nicht Strategie zuliefern, sondern Teil der Umsetzung sein, während der Betrieb unter Hochtouren weiterlief.
Die Frage ist also nicht, ob irgendwann ein ruhiges Zeitfenster für Veränderung kommt. Das Fenster, auf das du wartest, wird nicht kommen. Die eigentliche Frage ist: wer bei euch gerade beides macht – und wie lange das noch gutgeht.