Go-live eine Woche vor Termin, ohne Abstriche am Umfang
Die meisten IT-Projekte laufen ähnlich: Grosse Ambition, viele Anforderungen, ein mehr oder weniger ambitionierter Zeitplan.
Mit der Zeit wird die technische Umsetzung komplexer als gedacht: Abhängigkeiten tauchen auf, Integrationen werden schwieriger, Funktionen fehlen und der Zeitplan gerät unter Druck.
Aber man will ja liefern.
Also beginnt das Reduzieren: Worauf können wir verzichten? Wo reicht ein Workaround? Was kann später nachgeliefert werden?
Mit jeder Runde sinkt die Vorfreude auf das neue Produkt ein Stück. Und irgendwann kippt sie in Frustration. Denn die neue Lösung kann nun deutlich weniger als ursprünglich geplant und im schlimmsten Fall sogar weniger als die alte.
“In einem unserer Projekte durfte ich erleben, wie es anders geht: Der technische Go-live stand eine Woche vor dem kommunizierten Termin. Und das mit dem vollen geplanten Scope, ohne Abstriche beim Kundenerlebnis oder dem eigentlichen Produktumfang."
Uwe Klötzner
Es ging um den Launch eines digitalen B2C-Produkts in einem neuen Markt. Das neue Kunden-Frontend hätte man von Beginn an stark in die bestehende Systemlandschaft im Backend integrieren können. Das hätte Abläufe automatisiert und intern vieles eleganter gemacht.
Es hätte aber auch ordentlich Komplexität ins Projekt gebracht.
Die entscheidende Frage war deshalb: Was brauchen wir wirklich, damit das Produkt erfolgreich starten kann?
Was braucht der Kunde für ein überzeugendes Produkt und was brauchen wir für einen stabilen Betrieb? Das muss zum Go-live stehen.
Was vor allem interne Effizienz, Automatisierung oder Skalierung verbessert, darf warten, bis das Geschäftsvolumen es rechtfertigt.
Wir gingen in einen neuen Markt, zunächst mit einem einzelnen Produkt. Niemand erwartete am ersten Tag tausende neue Verträge.
Der Entscheid war deshalb klar:
Volle Konzentration auf eine richtig gute Experience für die Endkunden. Und im Backend die einfachste Lösung, die zuverlässig funktioniert.
Nicht weniger Produkt, nicht weniger Kundenerlebnis.
Aber bewusst weniger technische Komplexität zum Start.
Das Ergebnis: Ein stabiler technischer Go-live bereits eine Woche vor dem offiziell kommunizierten Termin.
Die stärkere Integration ins Backend kam später. Zu einem Zeitpunkt, an dem tatsächlich Geschäftsvolumen vorhanden war und die zusätzliche Automatisierung einen realen Nutzen brachte.
Drei Dinge, die wir daraus mitgenommen haben
1. Fokussiere zum Start auf Kundenerlebnis und Marktfähigkeit.
Die Lösung muss für den Kunden überzeugen und technisch stabil funktionieren. Sie muss aber nicht vom ersten Tag an jede interne Optimierung mitbringen.
2. Backend-Komplexität muss sich rechtfertigen.
Integrationen, Automatisierungen und Zusatzfunktionen sollten durch tatsächliches Geschäftsvolumen und einen klaren Nutzen gerechtfertigt sein - nicht durch den Wunsch, von Anfang an die perfekte Lösung zu bauen.
3. Ein Blick von aussen macht es leichter, konsequent zu hinterfragen.
Wer tief im Projekt steckt, hat gute Gründe für jede Anforderung, Integration und Abhängigkeit. Gerade deshalb hilft jemand, der nicht Teil dieser Logik ist und immer wieder fragt: Brauchen wir das wirklich zum Start? Diese Distanz hilft, Komplexität zu vermeiden, ohne beim Ergebnis Abstriche zu machen.
Das Projekt war Teil der Internationalisierung von Smile nach Österreich. Mehr über unsere Zusammenarbeit mit Smile findest du hier: Growth Journey | Projekt-Case.