CIRCULAR ECONOMY - EIN KREIS IST BESSER ALS EINE LINIE

Kreislaufwirtschaft konzentriert sich auf die Minimierung der Input-Ressourcen und des Output-Abfalls, und schafft eine Win-Win-Situation aus der Kombination von effizienten wirtschaftlichen Vorteilen und nachhaltigen positiven Auswirkungen.


Heutzutage wird allgemein davon ausgegangen, dass die Kreislaufwirtschaft [en: circular economy] eines der wichtigsten Instrumente ist, das Unternehmen zur Verfügung steht, um nachhaltige Ziele zu erreichen. Die wenigsten wissen jedoch, dass es dieses Konzept schon seit geraumer Zeit gibt. Obwohl es schwierig ist, ein genaues Datum oder einen Autor zu bestimmen, von dem die Idee stammt, wurde ein Konzept von einem Kreislauf von Materialien bereits 1966 von Kenneth E. Boulding in seinem Artikel «The Economics of the Coming Spaceship Earth» vorgestellt. Damals hatte das Konzept allerdings noch wenig mit dem zu tun, was wir heute unter «Nachhaltigkeit» verstehen.

Es dreht sich alles um Ressourcen

Die Kreislaufwirtschaft ist ein Produktions- und Konsummodell, das sich auf die Reduzierung von Abfällen konzentriert. Abfallvermeidung bedeutet, Ressourcen effizienter zu nutzen und so aus einem konstanten Input einen größeren Nutzen (Output) zu ziehen. Vor 20 Jahren, in den frühen 2000er Jahren, hat China das Konzept der Effizienzsteigerung durch die Kreislaufwirtschaft in seine Politik integriert, um sie ressourceneffizient und abfallreduzierend zu gestalten, und dies war Teil seines bedeutenden Wachstums.

Die (Erschöpfung von) Ressourcen spielen eine zentrale Rolle in der Kreislaufwirtschaft. Diese können in zwei Kategorien unterteilt werden: erneuerbar und nicht erneuerbar.

Erneuerbare Ressourcen, wie landwirtschaftliche Flächen oder Wälder, haben die Fähigkeit, sich selbst zu regenerieren, so dass ihr heutiger Verbrauch keine Auswirkungen auf die Möglichkeit hat, sie morgen zu verbrauchen (was natürlich keine unbedingte Erneuerung bedeutet). So spielt beispielsweise das menschliche Eingreifen eine wichtige Rolle bei der Fähigkeit zur Selbsterneuerung).

Im Gegensatz dazu sind nicht-erneuerbare Ressourcen wie Mineralien und Energierohstoffe (z. B. fossile Brennstoffe) erschöpfbar und nicht erneuerbar. Diese Ressourcen existieren nur in einem festen Kontingent in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Der Schwerpunkt der Kreislaufwirtschaft liegt auf der Bewirtschaftung und Verarbeitung dieser nicht-erneuerbaren Ressourcen. Die Kreislaufwirtschaft orientiert sich an den nichtlinearen Rückwirkungsmechanismen lebender Systeme und geht davon aus, dass Wirtschaftssysteme wie Organismen funktionieren sollten, in denen Nährstoffe verarbeitet und verwertet und dann sowohl in den biologischen als auch den technischen Kreislauf zurückgeführt werden. Daher auch der in der Kreislaufwirtschaft immer wiederkehrende Begriff des «geschlossenen Kreislaufs» oder der «regenerativen» Wirtschaft.

Kreislaufwirtschaft ist eine Win-Win-Situation

Das Circular-Economy-Modell stellt das lineare Wirtschaftsmodell in Frage. Bei einem linearen Ansatz durchläuft ein Produkt einen Lebenszyklus, in dem es hergestellt, verbraucht und weggeworfen wird. Dieses traditionelle Modell stützt sich auf grosse Mengen an billigen, leicht zugänglichen Materialien und Energie. Es hat viele negative externe Effekte in Form von erheblichen Auswirkungen auf die Umwelt durch die Gewinnung und Verwendung von Rohstoffen, erhöhtem Energieverbrauch und CO2-Emissionen, riesigen Mengen nicht erfasster Abfälle usw.

Im Gegensatz dazu schliesst das Modell der Kreislaufwirtschaft den Kreislauf und konzentriert sich auf die Begrenzung der benötigten Inputs (Ressourcen) und Spill-Offs (Abfälle). In der Praxis bedeutet dies, dass Abfälle auf ein Minimum reduziert werden. Wenn ein Produkt das Ende seiner Lebensdauer erreicht, werden seine Materialien nach Möglichkeit in der Wirtschaft belassen. Sie können immer wieder produktiv genutzt werden und schaffen so weiteren Wert: «Es geht darum, vorhandene Materialien und Produkte so lange wie möglich zu teilen, zu leasen, wiederzuverwenden, zu reparieren, zu renovieren und zu recyceln» (EU-Parlament). Auf diese Weise wird der Lebenszyklus von Produkten verlängert.

Die Makroargumente für die Kreislaufwirtschaft sind, dass sie wirtschaftliches Wachstum ermöglicht und gleichzeitig von der Belastung durch die Gewinnung natürlicher Ressourcen entkoppelt. Auch ermöglicht Circular Economy die Entwicklung wirtschaftlichen Wohlstands für eine wachsende Bevölkerung und verringert gleichzeitig die Abhängigkeit von kritischen Ressourcen, indem die CO2-Emissionen gesenkt werden, das Abfallaufkommen reduziert wird und neue Produktions- und Verbrauchsweisen eingeführt werden, die zusätzlichen Wert schaffen.

Die Hauptargumente der Unternehmen für die Etablierung einer Kreislaufwirtschaft sind die Sicherung der zukünftigen Rohstoffversorgung, die Verringerung der Preisvolatilität von Inputs, die Kostenkontrolle, die Verringerung von Abfällen, die Verlängerung des Lebenszyklus von Produkten, die Bedienung neuer Kundensegmente und die Schaffung eines langfristigen Stakeholder Value.

Da sich Kreislaufwirtschaft auf die Minimierung der Input-Ressourcen und des Output-Abfalls konzentriert, schafft sie eine Win-Win-Situation aus der Kombination von effizienten wirtschaftlichen Vorteilen und nachhaltigen positiven Auswirkungen.

Viele haben einen langen Weg vor sich

Der Übergang von einer traditionellen linearen Wirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft ist nicht einfach: In der Vergangenheit stützte sich die Weltwirtschaft stark auf ein lineares Modell. Ganze Branchen wurden um dieses Konzept herum aufgebaut. Ihr monetärer Erfolg beruhte stark auf einer «Wegwerfwirtschaft». Ein Beispiel dafür ist das sehr lukrative Geschäftsmodell der Fast Fashion, das trendige, in Massenproduktion hergestellte Repliken von Laufstegtrends zu Schnäppchenpreisen anbietet und damit den übermässigen Konsum und den Kauf von Einwegartikeln fördert. Dies trägt dazu bei, dass die Textilindustrie heute zu den Branchen mit der höchsten Umweltverschmutzung gehört. Dass es auch anders geht, zeigen Unternehmen wie Patagonia. Das Unternehmen produziert Kleidung, welche aus 94 Prozent recycelter Materialien besteht und verkauft auch bereits getragene «second-hand» Kleidung. Ein weiteres Beispiel sind Geschäftsmodelle, die darauf abzielen, ihren Gewinn zu steigern, indem sie die Lebensdauer ihrer Produkte aktiv begrenzen. Diese schockierend häufig angewandte Praxis wird als «geplante Obsoleszenz» bezeichnet. Gesetzgeber wie das Europäische Parlament greifen mittlerweile ein und entwickeln Massnahmen, um diese Praxis zu bekämpfen. 

Unternehmen, die solche Konzepte anwenden, müssen hart arbeiten, um die nachhaltige Chance der Kreislaufwirtschaft zu nutzen und ihre Geschäftsmodelle von Grund auf zu erneuern. Angesichts der wachsenden Sensibilität der Kunden für ökologische Herausforderungen und der sich ändernden rechtlichen Anforderungen werden diese Unternehmen jedoch nicht lange bestehen, wenn sie sich nicht auf einen nachhaltigen Weg begeben und die Verantwortung für alle externen Effekte ihrer Tätigkeit übernehmen.

Die Kreislaufwirtschaft ist lösungsorientiert, aber sie vollbringt keine Wunder

Die Kreislaufwirtschaft ist zwar eine gute Antwort auf den Klimanotstand und die ökologischen Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht, aber sie ist nicht das Allheilmittel für alle Übel. Bei einer stetig wachsenden Weltbevölkerung ist es nicht vorstellbar, dass wir langfristig das individuelle Konsumniveau der westlichen Welt auf dem heutigen Stand halten können, auch wenn das Modell hinter unserem Konsum kreislauforientiert ist. 

Erforderlich sind grundlegendere Veränderungen, die unsere Lebensweise erheblich beeinflussen werden. Dies muss jedoch nicht zwangsläufig etwas Negatives und Beängstigendes sein. Ein vorstellbares positives Ergebnis könnte ein Paradigmenwechsel in Bezug auf den Konsum sein. Ein grosser Teil der Gesellschaft richtet seine Existenz auf Besitz und Konsum aus und sieht darin die Antwort auf Glück und ein erfülltes Leben. Um den Philosophen Eric Fromm zu paraphrasieren: In unserer Konsumgesellschaft ist das «Haben» wichtiger geworden als das «Sein». 


Als Verbraucher ist es vielleicht an der Zeit, das Konsumverhalten insgesamt zu überdenken, und vielleicht wird es uns gut tun, uns daran zu erinnern, dass Glück nicht im Kaufhaus zu haben ist. Für uns als Unternehmen sollten die daraus resultierenden Fragen daher lauten: Wie können wir diesen notwendigen Wandel unterstützen? Wie lässt sich dies in eine Chance umsetzen?

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